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Abschnitt 01 · Chronologie

Chronologie 1928 – 2025.

Vierzig belegte Einträge in sechs Perioden — von der Geburt in Winterscheid bis zur posthumen Kompilation.

Jeder Eintrag nennt seine Quelle. Angaben, die nur auf eigenen Aussagen beruhen, sind als solche gekennzeichnet. Kürzel: GND = Normdatensatz der DNB; BT-Drs. = Bundestagsdrucksache; DNB = Katalognummer.

1928 – 1962

Herkunft & Ausbildung

08.11.1928

Geburt in Winterscheid (heute Gilserberg, Hessen).

Ursula Meta Hedwig Wetzel. Geburtsdatum und -ort nach dem Normdatensatz der Deutschen Nationalbibliothek.

Quelle: GND 173392393
1940er–1950er

Kriegsende, Aufenthalt in Schweden; Studium der Pädagogik, Philosophie und Sprachwissenschaften.

Angaben zu Schweden und zu Studienaufenthalten in Schottland beruhen auf eigenen Aussagen und sind nicht unabhängig belegt.

Quelle: de.wikipedia (nach eigenen Angaben)
1963 – 1980

Collegium Humanum & Umweltbewegung

1963

Gründung des Collegium Humanum in Vlotho.

Werner Georg Haverbeck (1909–1999) gründet die Einrichtung als „Heimvolkshochschule für Umwelt und Lebensschutz“; Eintragung als Verein am 10.12.1968 beim Amtsgericht Bad Oeynhausen. Ursula Wetzel ist von Beginn an beteiligt.

Quelle: BT-Drs. 16/4919; de.wikipedia
1965

Mitarbeit an Das Ziel der Technik.

Werner Georg Haverbeck, „in Zusammenarbeit mit Ursula Wetzel“, Walter-Verlag, Olten/Freiburg, 339 S. Früheste im DNB-Katalog nachgewiesene Mitwirkung.

Quelle: DNB 451876903
31.07.1970

Heirat mit Werner Georg Haverbeck.

Haverbeck (geb. 28.10.1909 in Bonn) war NSDAP-Mitglied seit 1929, Gründer des Reichsbundes Volkstum und Heimat (1933), nach 1945 Pfarrer der Christengemeinschaft und Professor an der Fachhochschule Bielefeld (1967–1979).

Quelle: de.wikipedia (W. G. Haverbeck); GND
1972

Collegium Humanum wird Mitglied im Weltbund zum Schutze des Lebens (WSL-D).

In den 1970er Jahren Tagungsort der frühen Umweltbewegung; 1979 finden dort Vorgespräche zur Gründung der „Sonstigen Politischen Vereinigung Die Grünen“ statt.

Quelle: de.wikipedia (Collegium Humanum)
1978

Beitrag Warum ich in der Gustav-Heinemann-Initiative mitarbeite.

Mit Luc Jochimsen und Ansgar Skriver, in: Walter Hähnle (Hg.), Bekommen wir eine andere Republik?, Radius-Verlag, Stuttgart, S. 43 ff.

Quelle: ISBN 3-87173-536-1
1981 – 1999

Wendung nach rechts

1981

Werner Georg Haverbeck unterzeichnet das Heidelberger Manifest.

In der Forschung als Wendepunkt beschrieben: Hinwendung des Collegium Humanum zu völkischem Nationalismus. Ab den 1980er Jahren Tagungsort rechtsextremer Gruppen (u. a. Wiking-Jugend, FAP).

Quelle: de.wikipedia (Collegium Humanum); Benz, Handbuch des Antisemitismus Bd. 5
1983–1989

Präsidentin der deutschen Sektion des Weltbundes zum Schutze des Lebens.

Ihr Ehemann hatte das Amt 1974–1982 inne.

Quelle: de.wikipedia
1985

Broschüre Zur Bilanz der grünen Bewegung.

Mit Herbert Gruhl; Verlag Deutsch-Europäischer Studien, Hamburg, 28 S.

Quelle: DNB 860137902
1989

Ausschluss aus der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP).

Auf Betreiben der Landesverbände Bremen und Nordrhein-Westfalen wegen des Versuchs, ein Bündnis rechter Parteien (u. a. mit der NPD) zu organisieren.

Quelle: de.wikipedia (Parteikorrespondenz 1988–1989)
23.05.1992

Gründung des Vereins Gedächtnisstätte e. V. in Vlotho.

Mitgründer u. a. Paul Latussek und Hans-Joachim Herrmann. Ursula Haverbeck ist bis 2003 Erste Vorsitzende. Der Verein wird seit 2011 bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet.

Quelle: de.wikipedia (Gedächtnisstätte); BT-Drs. 17/7622
1992–2008

Zeitschrift Stimme des Gewissens. Lebensschutz-Informationen (LSI).

Herausgegeben vom Collegium Humanum, Vlotho; Auflage 1.700–3.000 Exemplare, zweimonatlich. 2001 vom WSL-D auf das Collegium Humanum übertragen. Grundlage der ersten Verurteilung 2004.

Quelle: DNB 971463727 / ZDB 2301304-7; BT-Drs. 16/4919
1995

Der Weltkampf um den Menschen. Eine deutsche Selbstbesinnung.

Werner und Ursula Haverbeck, Grabert-Verlag, Tübingen, 159 S.

Quelle: DNB 945870779
1996

Der Weltkampf um die Gemeinschaft. Die Entwicklung der Demokratie zur Volksordnung.

Werner und Ursula Haverbeck, Grabert-Verlag, Tübingen, 160 S.

Quelle: DNB 952762196
18.10.1999

Tod Werner Georg Haverbecks in Vlotho.

Ursula Haverbeck übernimmt den Vorsitz des Collegium Humanum.

Quelle: de.wikipedia; GND
2000 – 2009

Erste Verfahren & Vereinsverbot

2002

Religion und Tradition (Synergon-Forum 3).

Mit Martin Schwarz, Claudio Mutti, Wolfgang Schüler und Oliver Ritter; Zeitenwende, Dresden.

Quelle: ISBN 3-934291-15-5
09.11.2003

Gründung des „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ (VRBHV) in Vlotho.

Ursula Haverbeck ist stellvertretende Vorsitzende; Mitgründer sind Bernhard Schaub und Horst Mahler. Im November 2003 werden 3.000 Exemplare der Stimme des Gewissens beschlagnahmt.

Quelle: BT-Drs. 16/4919; de.wikipedia
18.06.2004

Erste Verurteilung wegen Volksverhetzung (Amtsgericht Bad Oeynhausen).

Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 30 Euro wegen Beiträgen in der Stimme des Gewissens. Details in der Verfahrensübersicht.

Quelle: BT-Drs. 16/4919
Nov. 2006 / März 2007

„Geschichtswerkstätten“ im Collegium Humanum.

Veranstaltungen für 16- bis 25-Jährige mit Referenten wie Bernhard Schaub und Olaf Rose; Gegenstand einer Kleinen Anfrage im Deutschen Bundestag (Drs. 16/4687, Antwort 16/4919 vom 30.03.2007).

Quelle: BT-Drs. 16/4919
30.03.2007

Antwort der Bundesregierung: „Das Collegium Humanum – Ein Zentrum der Holocaustleugner“.

Der Bundesverfassungsschutzbericht stuft den Verein als rechtsextremistisch ein; Horst Mahler und Ursula Haverbeck-Wetzel werden als Hauptreferenten genannt.

Quelle: BT-Drs. 16/4919
Jan. 2008

Schreiben an Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden.

Knobloch erstattet am 30.01.2008 Strafanzeige. Verurteilung wegen Beleidigung am 30.06.2009.

Quelle: haGalil 05.07.2009; de.wikipedia (Collegium Humanum)
07.05.2008

Verbot des Collegium Humanum und der Bauernhilfe e. V. durch das Bundesministerium des Innern.

Verbotsverfügung vom 18.04.2008 (§ 3 Vereinsgesetz) wegen „fortgesetzter Leugnung des Holocaust“; zugleich Verbot des VRBHV. Durchsuchungen in NRW, Hessen und Niedersachsen; Beschlagnahme des Seminargebäudes in Vlotho.

Quelle: BVerwG PM 49/2009; DER SPIEGEL 07.05.2008
05.08.2009

Bundesverwaltungsgericht bestätigt das Vereinsverbot.

Urteile 6 A 3.08 und 6 A 2.08 (BVerwGE 134, 275): Der Verein verstoße gegen Strafgesetze und weise eine „Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus“ auf. Eilantrag bereits am 25.08.2008 abgelehnt (6 VR 1.08).

Quelle: bverwg.de
2009

Amalia Hinterwäldlerin vor Gericht und andere Geschichten.

Untertitel: „man kann nicht immer nur weinen … ; § 130 StGB“. G. Wiesholler, Ottobrunn, 76 S. Von der DNB als Belletristik erfasst.

Quelle: DNB 994742665
2010 – 2017

Verurteilungen

Okt. 2010

Landgericht München I: sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Volksverhetzung.

Erste Freiheitsstrafe; Gegenstand war die Broschüre Amalia Hinterwäldlerin. Details in der Verfahrensübersicht.

Quelle: Jüdische Allgemeine 13.11.2015
Mai 2011

Gedächtnisstätte e. V. erwirbt das Rittergut Guthmannshausen (Thüringen).

Kauf für 320.000 Euro über eine Vereinsangehörige, anschließend Übertragung an den Verein; Gegenstand einer Kleinen Anfrage im Bundestag (Drs. 17/7622). Einweihung der „Gedenkstätte“ im August 2014.

Quelle: de.wikipedia (Gedächtnisstätte); BT-Drs. 17/7622
März 2015

Interview mit dem NDR-Magazin Panorama in Vlotho.

Mehrstündiges Gespräch mit Robert Bongen; Ausstrahlung eines Beitrags am 29./30.07.2015 („Plattform für Holocaust-Leugner?“). Die dort getätigten Äußerungen werden Gegenstand des Hamburger Verfahrens.

Quelle: NDR Panorama 29.07.2015; LTO 16.02.2024
21.04.2015

Äußerungen am Rande des Lüneburger Prozesses gegen Oskar Gröning.

Zweiter Gegenstand der Anklage in Hamburg (Volksverhetzung in zwei Fällen).

Quelle: taz 26.06.2024
12.11.2015

Amtsgericht Hamburg: zehn Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Berufung; das Berufungsverfahren vor dem Landgericht Hamburg findet erst im Juni 2024 statt.

Quelle: NDR Panorama 12.11.2015
2016

Drei weitere erstinstanzliche Urteile: Detmold (8 Monate), Bad Oeynhausen (11 Monate), Verden (2 Jahre 6 Monate).

Das Verdener Urteil vom 21.11.2016 betrifft Beiträge in der Zeitschrift Stimme des Reiches (Verden, 2008–2017) und wird später vollstreckt.

Quelle: NDR 21.11.2016; DNB 991894006
2017

Urteile in Detmold (10 Monate; in der Berufung 14 Monate) und Berlin-Tiergarten (6 Monate).

Landgericht Detmold, 28.11.2017; Revision gegen das Berliner Urteil im Februar 2018 erfolglos.

Quelle: DIE ZEIT 28.11.2017; Mindener Tageblatt 13.02.2018
2018 – 2025

Haft, Kandidatur, letzte Verfahren, Tod

01.04.2018

Wahl zur Spitzenkandidatin der Partei Die Rechte für die Europawahl 2019.

Die Partei erreicht bei der Wahl am 26.05.2019 rund 0,1 Prozent der Stimmen.

Quelle: Belltower News 04.04.2018; Bundeswahlleiter
07.05.2018

Festnahme in Vlotho und Haftantritt in der JVA Bielefeld-Senne.

Nach Nichtantritt der Haft; später Verlegung in die JVA Bielefeld-Brackwede. Verfassungsbeschwerde im August 2018 nicht angenommen; Aussetzung des Strafrests im September 2019 (OLG Hamm) und im Dezember 2019 abgelehnt.

Quelle: NDR 07.05.2018; de.wikipedia
Nov. 2020

Haftentlassung nach zweieinhalb Jahren.

Quelle: Jüdische Allgemeine 05.11.2020
04.12.2020

Amtsgericht Berlin-Tiergarten: zwölf Monate Freiheitsstrafe.

Wegen eines 2018 auf YouTube veröffentlichten Video-Interviews.

Quelle: DIE WELT 04.12.2020
01.04.2022

Landgericht Berlin (Berufung): ein Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Zwei Verfahren verbunden (Veranstaltung in Berlin, Januar 2016; Video-Interview 2018). Die Strafe wird bis zu ihrem Tod nicht angetreten.

Quelle: Endstation Rechts 01.04.2022; NW 19.08.2022
26.06.2024

Landgericht Hamburg (Berufung): Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten.

Unter Einbeziehung des Berliner Urteils von 2022; vier Monate gelten wegen überlanger Verfahrensdauer als vollstreckt. Revision zum Hanseatischen Oberlandesgericht (Juli 2024); beim Tod nicht rechtskräftig.

Quelle: taz 26.06.2024; beck-aktuell 12.07.2024
20.11.2024

Tod in Vlotho im Alter von 96 Jahren.

Bestätigt durch ihren Verteidiger Wolfram Nahrath gegenüber der dpa.

Quelle: beck-aktuell 21.11.2024; GND
2025

Posthume Kompilation Land, mein Land, wie leb ich tief aus dir!

Zusammengestellt von Roland Wuttke, Sturmzeichen-Verlag, Dortmund. Publikation aus dem rechtsextremen Verlagsumfeld; keine unabhängige Biographie.

Quelle: DNB 1406934615