Chronologie 1928 – 2025.
Vierzig belegte Einträge in sechs Perioden — von der Geburt in Winterscheid bis zur posthumen Kompilation.
Jeder Eintrag nennt seine Quelle. Angaben, die nur auf eigenen Aussagen beruhen, sind als solche gekennzeichnet. Kürzel: GND = Normdatensatz der DNB; BT-Drs. = Bundestagsdrucksache; DNB = Katalognummer.
Herkunft & Ausbildung
Geburt in Winterscheid (heute Gilserberg, Hessen).
Ursula Meta Hedwig Wetzel. Geburtsdatum und -ort nach dem Normdatensatz der Deutschen Nationalbibliothek.
Kriegsende, Aufenthalt in Schweden; Studium der Pädagogik, Philosophie und Sprachwissenschaften.
Angaben zu Schweden und zu Studienaufenthalten in Schottland beruhen auf eigenen Aussagen und sind nicht unabhängig belegt.
Collegium Humanum & Umweltbewegung
Gründung des Collegium Humanum in Vlotho.
Werner Georg Haverbeck (1909–1999) gründet die Einrichtung als „Heimvolkshochschule für Umwelt und Lebensschutz“; Eintragung als Verein am 10.12.1968 beim Amtsgericht Bad Oeynhausen. Ursula Wetzel ist von Beginn an beteiligt.
Mitarbeit an Das Ziel der Technik.
Werner Georg Haverbeck, „in Zusammenarbeit mit Ursula Wetzel“, Walter-Verlag, Olten/Freiburg, 339 S. Früheste im DNB-Katalog nachgewiesene Mitwirkung.
Heirat mit Werner Georg Haverbeck.
Haverbeck (geb. 28.10.1909 in Bonn) war NSDAP-Mitglied seit 1929, Gründer des Reichsbundes Volkstum und Heimat (1933), nach 1945 Pfarrer der Christengemeinschaft und Professor an der Fachhochschule Bielefeld (1967–1979).
Collegium Humanum wird Mitglied im Weltbund zum Schutze des Lebens (WSL-D).
In den 1970er Jahren Tagungsort der frühen Umweltbewegung; 1979 finden dort Vorgespräche zur Gründung der „Sonstigen Politischen Vereinigung Die Grünen“ statt.
Beitrag Warum ich in der Gustav-Heinemann-Initiative mitarbeite.
Mit Luc Jochimsen und Ansgar Skriver, in: Walter Hähnle (Hg.), Bekommen wir eine andere Republik?, Radius-Verlag, Stuttgart, S. 43 ff.
Wendung nach rechts
Werner Georg Haverbeck unterzeichnet das Heidelberger Manifest.
In der Forschung als Wendepunkt beschrieben: Hinwendung des Collegium Humanum zu völkischem Nationalismus. Ab den 1980er Jahren Tagungsort rechtsextremer Gruppen (u. a. Wiking-Jugend, FAP).
Präsidentin der deutschen Sektion des Weltbundes zum Schutze des Lebens.
Ihr Ehemann hatte das Amt 1974–1982 inne.
Broschüre Zur Bilanz der grünen Bewegung.
Mit Herbert Gruhl; Verlag Deutsch-Europäischer Studien, Hamburg, 28 S.
Ausschluss aus der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP).
Auf Betreiben der Landesverbände Bremen und Nordrhein-Westfalen wegen des Versuchs, ein Bündnis rechter Parteien (u. a. mit der NPD) zu organisieren.
Gründung des Vereins Gedächtnisstätte e. V. in Vlotho.
Mitgründer u. a. Paul Latussek und Hans-Joachim Herrmann. Ursula Haverbeck ist bis 2003 Erste Vorsitzende. Der Verein wird seit 2011 bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet.
Zeitschrift Stimme des Gewissens. Lebensschutz-Informationen (LSI).
Herausgegeben vom Collegium Humanum, Vlotho; Auflage 1.700–3.000 Exemplare, zweimonatlich. 2001 vom WSL-D auf das Collegium Humanum übertragen. Grundlage der ersten Verurteilung 2004.
Der Weltkampf um den Menschen. Eine deutsche Selbstbesinnung.
Werner und Ursula Haverbeck, Grabert-Verlag, Tübingen, 159 S.
Der Weltkampf um die Gemeinschaft. Die Entwicklung der Demokratie zur Volksordnung.
Werner und Ursula Haverbeck, Grabert-Verlag, Tübingen, 160 S.
Tod Werner Georg Haverbecks in Vlotho.
Ursula Haverbeck übernimmt den Vorsitz des Collegium Humanum.
Erste Verfahren & Vereinsverbot
Religion und Tradition (Synergon-Forum 3).
Mit Martin Schwarz, Claudio Mutti, Wolfgang Schüler und Oliver Ritter; Zeitenwende, Dresden.
Gründung des „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ (VRBHV) in Vlotho.
Ursula Haverbeck ist stellvertretende Vorsitzende; Mitgründer sind Bernhard Schaub und Horst Mahler. Im November 2003 werden 3.000 Exemplare der Stimme des Gewissens beschlagnahmt.
Erste Verurteilung wegen Volksverhetzung (Amtsgericht Bad Oeynhausen).
Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 30 Euro wegen Beiträgen in der Stimme des Gewissens. Details in der Verfahrensübersicht.
„Geschichtswerkstätten“ im Collegium Humanum.
Veranstaltungen für 16- bis 25-Jährige mit Referenten wie Bernhard Schaub und Olaf Rose; Gegenstand einer Kleinen Anfrage im Deutschen Bundestag (Drs. 16/4687, Antwort 16/4919 vom 30.03.2007).
Antwort der Bundesregierung: „Das Collegium Humanum – Ein Zentrum der Holocaustleugner“.
Der Bundesverfassungsschutzbericht stuft den Verein als rechtsextremistisch ein; Horst Mahler und Ursula Haverbeck-Wetzel werden als Hauptreferenten genannt.
Schreiben an Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden.
Knobloch erstattet am 30.01.2008 Strafanzeige. Verurteilung wegen Beleidigung am 30.06.2009.
Verbot des Collegium Humanum und der Bauernhilfe e. V. durch das Bundesministerium des Innern.
Verbotsverfügung vom 18.04.2008 (§ 3 Vereinsgesetz) wegen „fortgesetzter Leugnung des Holocaust“; zugleich Verbot des VRBHV. Durchsuchungen in NRW, Hessen und Niedersachsen; Beschlagnahme des Seminargebäudes in Vlotho.
Bundesverwaltungsgericht bestätigt das Vereinsverbot.
Urteile 6 A 3.08 und 6 A 2.08 (BVerwGE 134, 275): Der Verein verstoße gegen Strafgesetze und weise eine „Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus“ auf. Eilantrag bereits am 25.08.2008 abgelehnt (6 VR 1.08).
Amalia Hinterwäldlerin vor Gericht und andere Geschichten.
Untertitel: „man kann nicht immer nur weinen … ; § 130 StGB“. G. Wiesholler, Ottobrunn, 76 S. Von der DNB als Belletristik erfasst.
Verurteilungen
Landgericht München I: sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Volksverhetzung.
Erste Freiheitsstrafe; Gegenstand war die Broschüre Amalia Hinterwäldlerin. Details in der Verfahrensübersicht.
Gedächtnisstätte e. V. erwirbt das Rittergut Guthmannshausen (Thüringen).
Kauf für 320.000 Euro über eine Vereinsangehörige, anschließend Übertragung an den Verein; Gegenstand einer Kleinen Anfrage im Bundestag (Drs. 17/7622). Einweihung der „Gedenkstätte“ im August 2014.
Interview mit dem NDR-Magazin Panorama in Vlotho.
Mehrstündiges Gespräch mit Robert Bongen; Ausstrahlung eines Beitrags am 29./30.07.2015 („Plattform für Holocaust-Leugner?“). Die dort getätigten Äußerungen werden Gegenstand des Hamburger Verfahrens.
Äußerungen am Rande des Lüneburger Prozesses gegen Oskar Gröning.
Zweiter Gegenstand der Anklage in Hamburg (Volksverhetzung in zwei Fällen).
Amtsgericht Hamburg: zehn Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung.
Berufung; das Berufungsverfahren vor dem Landgericht Hamburg findet erst im Juni 2024 statt.
Drei weitere erstinstanzliche Urteile: Detmold (8 Monate), Bad Oeynhausen (11 Monate), Verden (2 Jahre 6 Monate).
Das Verdener Urteil vom 21.11.2016 betrifft Beiträge in der Zeitschrift Stimme des Reiches (Verden, 2008–2017) und wird später vollstreckt.
Urteile in Detmold (10 Monate; in der Berufung 14 Monate) und Berlin-Tiergarten (6 Monate).
Landgericht Detmold, 28.11.2017; Revision gegen das Berliner Urteil im Februar 2018 erfolglos.
Haft, Kandidatur, letzte Verfahren, Tod
Wahl zur Spitzenkandidatin der Partei Die Rechte für die Europawahl 2019.
Die Partei erreicht bei der Wahl am 26.05.2019 rund 0,1 Prozent der Stimmen.
Festnahme in Vlotho und Haftantritt in der JVA Bielefeld-Senne.
Nach Nichtantritt der Haft; später Verlegung in die JVA Bielefeld-Brackwede. Verfassungsbeschwerde im August 2018 nicht angenommen; Aussetzung des Strafrests im September 2019 (OLG Hamm) und im Dezember 2019 abgelehnt.
Haftentlassung nach zweieinhalb Jahren.
Amtsgericht Berlin-Tiergarten: zwölf Monate Freiheitsstrafe.
Wegen eines 2018 auf YouTube veröffentlichten Video-Interviews.
Landgericht Berlin (Berufung): ein Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung.
Zwei Verfahren verbunden (Veranstaltung in Berlin, Januar 2016; Video-Interview 2018). Die Strafe wird bis zu ihrem Tod nicht angetreten.
Landgericht Hamburg (Berufung): Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten.
Unter Einbeziehung des Berliner Urteils von 2022; vier Monate gelten wegen überlanger Verfahrensdauer als vollstreckt. Revision zum Hanseatischen Oberlandesgericht (Juli 2024); beim Tod nicht rechtskräftig.
Tod in Vlotho im Alter von 96 Jahren.
Bestätigt durch ihren Verteidiger Wolfram Nahrath gegenüber der dpa.
Posthume Kompilation Land, mein Land, wie leb ich tief aus dir!
Zusammengestellt von Roland Wuttke, Sturmzeichen-Verlag, Dortmund. Publikation aus dem rechtsextremen Verlagsumfeld; keine unabhängige Biographie.