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Biographie

Ein Leben zwischen Erwachsenenbildung und Strafjustiz.

Ursula Meta Hedwig Haverbeck-Wetzel (8. November 1928 – 20. November 2024) war Publizistin und Aktivistin. Ihr Weg führt von einer Heimvolkshochschule der frühen Umweltbewegung zu vierzehn Verfahren wegen Volksverhetzung.

Leben & Laufbahn

Geboren in Winterscheid (Hessen), nach eigenen Angaben Kriegsende in Schweden und Studium der Pädagogik, Philosophie und Sprachwissenschaften. Ab 1963 wirkt sie am Aufbau des Collegium Humanum in Vlotho mit, das Werner Georg Haverbeck als Heimvolkshochschule für Umwelt und Lebensschutz gründet; 1970 heiratet sie ihn.

In den 1970er Jahren ist das Haus Tagungsort der entstehenden Umweltbewegung. 1978 beteiligt sie sich an einem Sammelband der Gustav-Heinemann-Initiative; 1983 bis 1989 führt sie die deutsche Sektion des Weltbundes zum Schutze des Lebens.

Ab 1981 dokumentieren Verfassungsschutz und Bundestag die Hinwendung des Collegium Humanum zur extremen Rechten. 1989 wird sie aus der ÖDP ausgeschlossen, 1992 gründet sie den Verein Gedächtnisstätte, 1999 übernimmt sie den Vorsitz des Collegium Humanum. Die Zeitschrift „Stimme des Gewissens“ führt 2004 zur ersten Verurteilung; 2008 wird der Verein verboten.

Es folgen Verfahren in Bad Oeynhausen, Dortmund, München, Hamburg, Detmold, Verden und Berlin. Von Mai 2018 bis November 2020 verbüßt sie eine Haftstrafe in Bielefeld. Das letzte Urteil, Landgericht Hamburg vom 26. Juni 2024, ist bei ihrem Tod in Vlotho noch nicht rechtskräftig.

Ursula Haverbeck im Gerichtssaal

Ursula Haverbeck im Gerichtssaal. Pressefoto, undatiert; Rechteinhaber nicht geklärt.

Einordnung

Die Leugnung oder Verharmlosung des Holocaust ist in Deutschland nach § 130 Abs. 3 StGB strafbar. Die in diesem Archiv verzeichneten Urteile beruhen auf dieser Norm; das Bundesverwaltungsgericht stellte 2009 für das Collegium Humanum eine „Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus“ fest.

Das Archiv unterscheidet die dokumentierte Bildungs- und Verlagstätigkeit der Jahre 1963 bis etwa 1985 von den später strafrechtlich sanktionierten Äußerungen. Es übernimmt weder die Selbstbeschreibung der Betroffenen noch die Sprache ihrer Unterstützer.

Hinweis: Die Bezeichnung „Holocaustleugnerin“ ist in diesem Archiv keine Wertung, sondern die von Gerichten festgestellte Grundlage der Verurteilungen. Wörtliche Zitate der inkriminierten Äußerungen werden nicht wiedergegeben.
Pädagogik & historisches Bewusstsein

Bildungsarbeit, Ökologie und Einordnung

Erwachsenenbildung in Vlotho

Das 1963 gegründete Collegium Humanum (Vereinsregister 1968) veranstaltete Seminare und Tagungen mit rund fünfzig Betten. In den 1970er Jahren nutzten es Teile der jungen Umweltbewegung; 1979 fanden dort Vorgespräche zur Gründung der Grünen statt.

Gustav-Heinemann-Initiative (1978)

Im Sammelband „Bekommen wir eine andere Republik?“ (Radius-Verlag) erläutert Haverbeck-Wetzel neben Erhard Eppler, Luc Jochimsen und Ansgar Skriver ihre Mitarbeit in der bürgerrechtlichen Initiative.

Ökologie und Lebensschutz

Als Präsidentin der deutschen Sektion des Weltbundes zum Schutze des Lebens (1983–1989) und Mitautorin der Broschüre „Zur Bilanz der grünen Bewegung“ (mit Herbert Gruhl, 1985) wirkte sie in frühen Umweltdebatten.

Vom Lebensschutz zur Leugnung

Die Forschung beschreibt das Heidelberger Manifest (1981) als Wendepunkt. Ab 2001 erschien die Zeitschrift „Stimme des Gewissens“ unter dem Dach des Collegium Humanum; ihre Beiträge waren 2004 Grundlage der ersten Verurteilung.

Familie

Ehe und Umfeld

1928 – 2024

Ursula Meta Hedwig Haverbeck-Wetzel

geb. Wetzel · 8. November 1928, Winterscheid – 20. November 2024, Vlotho. Publizistin, Aktivistin. GND 173392393.

1909 – 1999

Werner Georg Haverbeck

28. Oktober 1909, Bonn – 18. Oktober 1999, Vlotho. NSDAP-Mitglied seit 1929, Gründer des Reichsbundes Volkstum und Heimat (1933); nach 1945 Pfarrer der Christengemeinschaft, Professor in Bielefeld, Gründer des Collegium Humanum. Ehe seit 31. Juli 1970.

In den herangezogenen Quellen (GND, lobid, Wikipedia) sind keine gemeinsamen Kinder und keine weiteren Verwandten dokumentiert. Das Archiv ergänzt nichts, was nicht belegt ist.